Neue ICON-Konfiguration ermöglicht realistischen Blick auf kleinskalige Ozeanwirbel

Indem sie ein innovatives Rechengitter benutzten, konnten Wissenschaftler erstmals das Verhalten von Wirbeln mit einer Größe von wenigen Kilometern in einer realistischen Simulation des Nordatlantiks untersuchen. Das erlaubte es ihnen, zu quantifizieren, wie stark diese submesoskaligen Wirbel Wärme, Salz und Spurenstoffe zwischen der Ozeanoberfläche und den darunter liegenden Wassermassen transportieren. Diese quantitative Analyse mithilfe eines realistischen Ozeanmodells mit beispielloser Auflösung verbessert das Verständnis kleinskaliger Ozeanphänomene und ihrer Rolle im Klimasystem.

ICON-Simulation des Nordatlantiks mit Teleskopgitter. Credit: M. Epke/ N. Brüggemann

Der Austausch von Wärme und Treibhausgasen zwischen der Atmosphäre und dem Ozean hängt unter anderem von kleinskaligen Prozessen ab. So gibt es Ozeanwirbel mit einem Durchmesser von einem bis zu zehn Kilometern, die diesen Austausch stark beeinflussen. Diese submesoskaligen Wirbel, die auf Satellitenbildern gut zu erkennen sind, bilden sich dort, wo Wassermassen mit unterschiedlicher Temperatur und unterschiedlichem Salzgehalt aufeinandertreffen. Sie bewirken eine Umschichtung der Wassersäule und bringen so neue Wassermassen mit der Atmosphäre in Kontakt, während sie andere davon abschneiden. Aufgrund ihrer geringen Größe entziehen sie sich jedoch der groben Auflösung von traditionellen Klimamodellen. Forschende verwenden spezielle Gleichungen, um ihren statistischen Effekt dennoch zu beschreiben (Parametrisierungen).

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) haben nun gezeigt, dass sich submesoskalige Wirbel mit einer innovativen Konfiguration des ICON-Ozeanmodells explizit und realistisch simulieren lassen, und dass sich diese Art der Simulation sowohl dazu eignet, kleinskalige Klimaprozesse zu verstehen, als auch deren Parametrisierungen unter realistischen Gegebenheiten zu testen.

Teleskopgitter erlaubt Auflösung von bis zu 500 Metern

Das Rechengitter des ICON-Modells besteht aus Dreiecken und erlaubt eine flexiblere Verfeinerung als andere, auf Vierecken basierende Gitter. Wie die Maschen eines elastischen Netzes über einem Ball lassen sich durch die Teleskopfunktion die Zellen an gewünschten Stellen des Globus zusammenziehen. Durch diese Art der Gitterverfeinerung lässt sich regional eine hohe Auflösung erreichen, ohne dass unerwünschte Effekte am Rand dieser Regionen auftreten.

„Durch die gleichmäßige Verfeinerung unseres Teleskopgitters erreichen wir eine hohe Auflösung nicht nur in der untersuchten Region selbst, sondern auch in den angrenzenden Gebieten. Dadurch entfällt insbesondere die Wahl von Randbedingungen, die bei einer Verfeinerung in einem begrenzten Bereich benötigt würden“, sagt der Erstautor der Studie, MPI-M-Forscher Moritz Epke.

Bei der nun veröffentlichten Studie, an der außerdem die MPI-M-Forscher Nils Brüggemann, Peter Korn und Leonidas Linardakis beteiligt waren, lag der Fokuspunkt des Teleskopgitters im Nordatlantik, wo im Winter ausgeprägte Ozeanfronten mit submesoskaligen Wirbeln auftreten. Die Forscher zogen die Zellen einer Simulation mit global etwa vier Kilometern horizontaler Auflösung so zusammen, dass im Nordatlantik ein Gitterabstand von deutlich unter einem Kilometer erreicht werden konnte.

„Solch eine Auflösung über einen so großen Bereich ist wirklich außergewöhnlich und geht an die Grenzen dessen, was mit globalen Modellen überhaupt rechentechnisch möglich ist“, sagt Koautor Nils Brüggemann.

Realistische Variabilität

Die Simulation enthält viele submesoskalige Wirbel und zeigt eine zeitliche Variabilität im Ozean, die noch über die von vergleichbaren Simulationen anderer Teams hinausgeht.   Zudem stimmte die räumliche Variabilität gut mit Messungen der Satellitenmission Surface Water and Ocean Topography (SWOT) überein. Anhand von 50 identifizierten Ozeanfronten konnten die Forscher die Aktivität der submesoskaligen Wirbel genauer untersuchen und unter anderem feststellen, dass theoretische Abschätzungen die Stärke, mit der diese Wirbel das Wasser umwälzen, in etwa vorhersagen können. Die Autoren zeigten jedoch auch, dass diese Abschätzungen beispielsweise bei größeren mesoskaligen Wirbeln an Grenzen stoßen. Diese Wirbel schienen im Vergleich zu Ozeanfronten und den theoretischen Erwartungen wesentlich stabiler zu sein.

Die hier verwendete Konfiguration des ICON-Ozeanmodells mit Teleskopgitter hat sich laut den Autoren bei der Untersuchung submesoskaliger Wirbel bewährt. Als nächstes will das Team damit andere hochfrequente Prozesse wie interne Wellen im Südatlantik unter die Lupe nehmen.

Originalpublikation

Epke, M., Linardakis, L., Korn, P., Brüggemann, N. (2025). Overturning of mixed layer eddies in a submesoscale resolving simulation of the North Atlantic. Journal of Physical Oceanography, DOI: 10.1175/JPO-D-25-0015.1

Kontakt

Dr. Moritz Epke
Max-Planck-Institut für Meteorologie
moritz.epke@we dont want spammpimet.mpg.de

Dr. Nils Brüggemann
Max-Planck-Institut für Meteorologie
nils.brueggemann@we dont want spammpimet.mpg.de