Hamburger Klimaforscher Erich Roeckner gestorben
Das Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) trauert um einen der einflussreichsten Forscher seiner Geschichte. „Die Nachricht vom Tod Erich Roeckners macht uns alle sehr traurig“, sagt Jochem Marotzke, der Geschäftsführende Direktor des MPI-M. „Erich Roeckner war einer der Protagonisten beim Aufbau der Klimamodellierung hier am Institut, ein Mentor für viele, deren Karriere hier begann, und ein von allen sehr geschätzter Kollege. Seine bescheidene, kluge Art hinterließ bei allen, die ihn kannten, einen bleibenden Eindruck. Roeckners Einfluss ist am Institut weiterhin spürbar und wird uns auch in Zukunft weiter begleiten.“
Erich Roeckner hatte in Hamburg Meteorologie studiert und 1971 am Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau über die Atmosphäre der Venus promoviert. Während seiner Doktorarbeit war er Gastwissenschaftler am National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder (USA). Ab 1973 arbeitete er am Meteorologischen Institut der Universität Hamburg zu Wolkenprozessen und erlangte dort auch seine Habilitation. Er begann außerdem, das numerische Wettervorhersagemodell des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) in ein Klimamodell umzuwandeln. Dieses Modell erhielt den Namen ECHAM.
Im Jahr 1991 wechselte Roeckner in die neu gegründete Abteilung „Theoretische Klimamodellierung“ von Lennart Bengtsson am MPI-M und entwickelte ECHAM dort weiter zu dem berühmten Atmosphärenmodell, das die Grundlage für viele Generationen der am MPI-M genutzten Klimamodelle war, welche das Institut an die Weltspitze der Klimaforschung führten. So erlaubten die Modelle einem Team rund um den MPI-M-Gründungsdirektor und späteren Nobelpreisträger Klaus Hasselmann, den menschlichen Einfluss auf das Klima zu beweisen, und sie gingen in alle Sachstandsberichte des Weltklimarats IPCC ein. Auch die Entwicklung des ICON-Modells, dem heute wichtigsten Forschungswerkzeug am MPI-M, lässt sich zu Roeckner zurückverfolgen. Zwar suchte Erich Roeckner nie das Rampenlicht, der Klimaforschungsgemeinschaft wird er dennoch in Erinnerung bleiben – als einer ihrer führenden Köpfe und als perfekter Gentleman.
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Kontakt
Prof. Dr. Jochem Marotzke
Max-Planck-Institut für Meteorologie
jochem.marotzke@mpimet.mpg.de
Prof. Dr. Bjorn Stevens
Max-Planck-Institut für Meteorologie
bjorn.stevens@mpimet.mpg.de