Nimmt die Zahl tropischer Stürme zu?

Auch in der Hurrikan-Saison 2004 traten wieder gewaltige tropische Wirbelstürme in der Karibik und dem Südosten der USA auf, die erhebliche Sachschäden und vor allem Verluste an Menschenleben verursacht haben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Frage gestellt, ob diese Anhäufung und Intensität noch normal sei oder ob man darin gar schon die Zeichen einer Klimaänderung aufgrund des veränderten Treibhauseffektes erkennen könne und wie es wohl in der Zukunft weiter gehen würde.

Tropische Wirbelstürme entstehen über Gewässern mit einer Meeresoberflächentemperatur von mindestens 26 °C als gewaltige Tiefdruckwirbel, die einen Durchmesser von mehr als 500 km erreichen können. Die Verdunstung großer Wasserdampfmengen bei hohen Temperaturen und deren Kondensation in der Höhe zu Wolken und Niederschlag setzt große Energiemengen frei, die zu Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h und extrem starken Niederschlägen führen können. Im sogenannten "Auge" des Wirbelsturms, ist es windstill und durch starkes Absinken der Luft weitgehend wolkenfrei. Die stärksten tropischen Zyklonen mit Windgeschwindigkeiten über 33m/s bezeichnet man als Hurrikane (über dem Atlantik) oder als Taifune (über dem Pazifik). Die meisten tropischen Zyklonen entstehen im Spätsommer bis frühen Herbst der jeweiligen Hemisphäre.

Anzahl und Intensität dieser Zyklonen schwankt von Jahr zu Jahr, zeigt aber global keine signifikante systematische Veränderung während der letzten hundert Jahre. Eine hundertjährige Zeitreihe der Beobachtung von Wirbelstürmen beim Übergang auf Land in den USA zeigt nach einem Maximum in der Mitte des 20 Jahrhunderts eine leichte Abnahme der Fälle. Für globale Abschätzungen ist zu bedenken, dass erst seit der Verfügbarkeit von Satelliten die Beobachtungsdichte über dem tropischen Ozean und in schwach besiedelten Gebieten zuverlässige statistische Aussagen ermöglicht. Diese Zeitreihen sind aber für die Ableitung klimatologischer Trends vor allem bei den relativ seltenen Ereignissen schwerer Hurrikans noch viel zu kurz.

Um mögliche Einflüsse der vom Menschen verursachten Klimaänderungen abschätzen zu können, muss auf die Ergebnisse von Klimamodellrechnungen für zukünftige Szenarien zurück gegriffen werden. Im dritten Sachstandsbericht des IPCC von 2001 wird dazu ausgeführt, dass sich auch in den meisten dieser Modellläufe in den nächsten hundert Jahren kein signifikanter Trend in der Häufigkeit dieser Ereignisse zeigt. Dies hat in den Modellen offenbar damit zu tun, das neben einer deutlichen Erwärmung der tropischen Ozeanoberfläche auch eine kräftige Erwärmung in größeren Höhen berechnet wird, was sich eher dämpfend auf die Entwicklung tropischer Zyklonen auswirkt. Für die maximale Intensität scheinen die Modelle aber eine Zunahme anzudeuten, was durchaus mit der Vorstellung eines sich verstärkenden Wasserkreislaufes in einem wärmeren Klima zusammen passt.