Neue Studie zeigt sehr unterschiedlichen Einfluss der Abholzung auf Boden- und Lufttemperaturen

Am Ort einer hypothetischen Entwaldung ändern sich die Temperatur an der Oberfläche (T_surf) und 2 Meter über der Oberfläche (T_2m) unterschiedlich. Die Abbildung zeigt dies separat für die durchschnittliche Tagestiefsttemperatur (T_min) und Tageshöchsttemperatur (T_max) im MPI-ESM Klimamodell.

In einer neuen Studie, die kürzlich in Earth System Dynamics veröffentlicht und von Nature Climate Change als besonders interessanter Aufsatz gewürdigt wurde, untersuchen Wissenschaftler*innen der Abteilung „Land im Erdsystem“ am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) – Dr. Johannes Winckler, Dr. Christian Reick, Marvin Heidkamp, Dr. Andreas Chlond, Dr. Thomas Raddatz und Prof. Julia Pongratz – zusammen mit Kollegen anderer Institute, wie unterschiedlich Boden- und Lufttemperatur auf die Abholzung von Wäldern reagieren.

Abholzung beeinflusst den Austausch von Feuchte und Wärme zwischen der Landoberfläche und der Atmosphäre (der sogenannte biogeophysikalische Effekt). Hierdurch ändert sich auch die lokale Temperatur. Je nach dem wie stark sich die Temperaturen in unterschiedlichen Höhen ändern – am Boden, in Körperhöhe oder weiter oben in der Atmosphäre – sind Menschen und andere Lebewesen unterschiedlich betroffen. Allerdings wird diese Höhenabhängigkeit in den meisten Untersuchungen zu den biogeophysikalischen Konsequenzen von Abholzung ignoriert, und ohne weitere Diskussion nur mit der einen oder anderen Temperatur gearbeitet. In dieser neuen Studie nutzen die Autor*innen Simulationen mit einem Klimamodell, um die unterschiedliche Reaktion der Boden- und Lufttemperatur auf Abholzung zu untersuchen. Sie tun dies getrennt für Temperaturänderungen am Ort der Abholzung (‚lokale Effekte‘) und anderswo (‚nichtlokale Effekte‘).

Es zeigt sich, dass die lokalen Effekte generell die Bodentemperatur stärker beeinflussen als die Lufttemperatur, während nichtlokale Effekte die Boden- und Lufttemperatur gleichermaßen ändern. Dies gilt insbesondere für die tägliche Höchsttemperatur. Die Autor*innen vergleichen Ergebnisse verschiedener Klimamodelle und zeigen, dass sowohl für die sommerliche Erwärmung als auch für die Abkühlung im Winter die Änderung der Bodentemperatur die der Lufttemperatur um einen Faktor Zwei übertrifft. Diese Studie stellt klar heraus, dass zur Untersuchung der Folgen von Abholzung für die herschenden Lebensbedingungen die jeweils zugrunde gelegte Temperaturdefinition von besonderer Bedeutung ist.

 

Originalveröffentlichung:
Winckler, J., Reick, C. H., Heidkamp, M., Chlond, A., Raddatz, T., Pongratz, J., et al. (2019). Different response of surface temperature and air temperature to deforestation in climate models. Earth System Dynamics, 10, 473–484. https://doi.org/10.5194/esd-10-473-2019

Link zu Nature Climate Change: https://www.nature.com/articles/s41558-019-0573-y

 

Kontakt:

Dr. Johannes Winckler
Max-Planck-Institut für Meteorologie
E-Mail: johannes.winckler@we dont want spammpimet.mpg.de

Dr. Christian Reick
Max-Planck-Institut für Meteorologie
E-Mail: christian.reick@we dont want spammpimet.mpg.de


Prof. Dr. Julia Pongratz
Max-Planck-Institut für Meteorologie
E-Mail: julia.pongratz@we dont want spammpimet.mpg.de